Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der deutschen Wirtschaft

Eine strukturelle Langfristbetrachtung


Im Auftrag der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)


Studie zum deutschen Innovationssystem Nr. 2-2010


Harald Legler, Ulrich Schasse (NIW), Christoph Grenzmann, Andreas Kladroba, Bernd Kreuels (SV-Wissenschaftsstatistik) unter Mitarbeit von Mark Leidmann (NIW)


Hannover, Essen, Januar 2010

Weitere Informationen unter www.e-fi.de

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Investitionen in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie haben einen zentralen Stellenwert für betriebliche Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung. Wirtschaft und Staat werden in Deutschland allerdings die für 2010 gesetzte politische Orientierungsmarke (FuE-Anteil am Inlandsprodukt 3 %) deutlich unterschreiten. Im Jahr 2008 lag die Quote erst bei gut 2,6 %. Nimmt man die Pläne der Unternehmen, die rund 70 % der FuE-Ausgaben bestreiten, dann wird 2010 nicht viel höher ausfallen - trotz seit 2004 klar gestiegener staatlicher Anstrengungen. Mittelfristig hat sich zwar an einigen Stellen die Ausgangsposition für unternehmerische FuE verbessert: Deutschland ist Gewinner der Globalisierung, denn ausländische Unternehmen geben hier mehr für FuE aus als deutsche im Ausland. Allerdings gibt es Struktur- und Verhaltensmerkmale, die immer wieder nur zu moderaten FuE-Aktivitäten führen. Wachstumsträchtige Sektoren wie wissensintensive Dienstleistungen und Spitzentechnologiemärkte (bspw. Arzneimittel, Informations- und Medientechnik) haben in Deutschland nur geringe Zugkraft. Allein der Automobilbau sorgt für ein international akzeptables FuE-Niveau. Die FuE-Kapazitäten werden in der Wirtschaft zudem sehr stark an den absehbaren konjunkturellen Erfordernissen ausgerichtet, ein Übergang in forschungsintensivere Strukturen und damit in eine neue Dynamik ist auch nach den für 2010 vorliegenden Plänen nicht erkennbar. Es gab im Aufschwung bis 2008 positive Ansatzpunkte: Diese wurden jedoch - vor allem bei Dienstleistungen, in der Spitzentechnologie und im Maschinenbau - durch Engpässe bei Naturwissenschaftlern und Ingenieuren gebremst. Insbesondere Klein- und Mittelunternehmen haben auf dem Markt für Hochqualifizierte gegenüber Großen nicht so gute Karten. Entsprechend hat der Konzentrationsprozess bei FuE zugenommen. Der Staat hat diese Tendenzen eher verstärkt: Sein Finanzierungsbeitrag zu privater FuE hat noch nicht einmal das an sich schon langsame Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft halten können. Die Ausweitung der FuE-Kapazitäten an Hochschulen und außeruniversitären FuE-Einrichtungen kommt erst neuerdings wieder recht schnell voran. Dies ist auch wichtig, weil der Bedarf der Wirtschaft an FuE-Kooperationen mit Wissenschaft und Forschung deutlich gestiegen ist.