Regionalbericht Norddeutschland 2005 - Aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen von Schleswig-Holstein und Niedersachsen, in den angrenzenden Hansestädten sowie in den 16 Bundesländern

Regionalbericht

Jung Hans-Ulrich

2005

Download: PDF


Intensivierung der norddeutschen Zusammenarbeit

Wirtschaftlicher Strukturwandel erforderlich

Aussagekräftige regionalwirtschaftliche Indikatoren sind eine wichtige Entscheidungsbasis für die regionale Entwicklungspolitik. Das NIW legt mit dem vorliegenden Regionalbericht 2005 eine Positionsbestimmung für die norddeutschen Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen sowie Hamburg und Bremen unter den 16 Bundesländern vor und informiert über die Strukturen und aktuellen Entwicklungen von Bevölkerung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt innerhalb Norddeutschlands. Vor dem Hintergrund ständig neuer ?Rankings? von Regionen mit zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen soll der Regionalbericht Norddeutschland mit seinem ausführlichen Datenteil den Nutzer in die Lage versetzen, sich über die regionalen Entwicklungen ein eigenes Urteil zu bilden.

Im Vergleich zu Westdeutschland lassen sich trotz unterschiedlicher Standortbedingungen einige grundle-gende Strukturen und Trends von Bevölkerung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Norddeutschland erkennen

  • eine überdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung auf Grund von starken Wanderungsgewinnen, die nur noch von den süddeutschen Ländern übertroffen wird,
  • eine vergleichsweise günstige Entwicklung des Produzierenden Gewerbes mit moderaten Verlusten an industriellen Arbeitsplätzen in den letzten Jahren, aber einer Entwicklungsschwäche in einzelnen Dienstleistungsbereichen wie dem Verkehrsgewerbe und den Finanzdienstleistungen,
  • nach wie vor überdurchschnittliche Anstrengungen in der beruflichen Erstausbildung und ein entsprechend hoher Anteil an qualifizierten Arbeitnehmern im mittleren Qualifikationsbereich,
  • Lehr- und Forschungsaktivitäten in den norddeutschen Hochschulen, die insgesamt etwa dem übrigen Westdeutschland entsprechen, aber besondere Schwerpunkte in Agrar-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften aufweisen,
  • eine - bezogen auf den westdeutschen Durchschnitt - geringere Beschäftigung von hochqualifizierten Arbeitnehmern (mit Fachhochschul- und Hochschulabschluss),
  • nicht zuletzt eine deutlich unterdurchschnittliche Steuereinnahmekraft der Städte und Gemeinden, die sowohl auf niedrigere Gewerbesteuereinnahmen als auch geringere Einnahmen aus der Einkommensteuer zurückzuführen ist.

Die Stärken und Schwächen Norddeutschlands machen auch weiterhin besondere Anstrengungen in der Entwicklung der Standortbedingungen sowie vor allem in der Modernisierung der Wirtschaftsstruktur notwendig. Vor allem das Ziel, gegenüber den entwicklungsstarken süddeutschen Bundesländern aufzuho-len, ist nur durch konsequente Förderung des innovations- und qualifikationsorientierten Strukturwandels zu erreichen.

Dazu müssen die norddeutschen Länder zukünftig in allen wichtigen Politikfeldern noch enger zusammen arbeiten. Neben einer noch besser abgestimmten Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik (Innovations- und Qualifizierungsförderung) muss sich die Bildungspolitik u.a. noch stärker auf die Förderung der lern- und leistungsschwachen Bevölkerungsgruppen sowie die Stärkung der weiterführenden allgemeinen Schulbildung konzentrieren. Um die Grundlagen für ein besseres Innovationsklima in einer wissensorientierten Gesellschaft zu legen muss die Wissenschaftspolitik den ?Forschungsstandort Norddeutschland? ausbauen und Wissenschaft und Unternehmen besser vernetzen. Vielfältige gemeinsame Interessen gibt es im norddeutschen Raum auch in der Infrastrukturentwicklung (Küstenautobahn und Schienennetze, Jade-Weser-Port und Hafenkooperationen, engere Zusammenarbeit der Flughäfen).

Ansatzpunkte für die Umsetzung von Projekten bieten die vielfältigen wirtschaftlichen Entwicklungspotenziale des norddeutschen Raumes. Die heutigen Kompetenzbereiche müssen als Wertschöpfungsketten im Zusammenspiel mit Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen weiterentwickelt werden. Dazu zählen in Norddeutschland insbesondere

  • die Mobilitätswirtschaft (u.a. mit dem Straßen- und Luftfahrzeugbau und damit verbundenen Dienstleistungen),
  • die ernährungswirtschaftlichen Kompetenzen und die Chancen von LifeScience,
  • die Stärken und Potenziale der maritimen Wirtschaft (Seefahrt, Logistik-, Offshore-Aktivitäten) sowie
  • die Tourismuskompetenzen und die Gesundheitswirtschaft.

Der norddeutsche Raum weist eine vielfältige Raumstruktur auf. Neben den Verdichtungsräumen hat u.a. das ländlich geprägte westliche Niedersachsen eine hohe Entwicklungsdynamik. Andererseits gibt es in Norddeutschland auch Problemräume mit besonderen Struktur- und Entwicklungsproblemen:

  • das gesamte südliche Niedersachsen mit dem Harz sowie dem Weser-Bergland,
  • das nordöstliche Niedersachsen mit den Kreisen Lüchow-Dannenberg und Uelzen,
  • der niedersächsische und schleswig-holsteinische Küstenraum.
Für diese Problemräume sind bereits besondere regionalpolitische Anstrengungen eingeleitet worden. Richtungsweisend sind die hier auf der Grundlage eines Kabinettsbeschlusses der Niedersächsischen Landesregierung arbeitenden ?Modellregionen Nordostniedersachsen? und ?Südniedersachsen?, in denen es zu einer intensiven Zusammenarbeit der Akteure vor Ort, der Ressorts der Landesebene und den neu geschaffenen Regierungsvertretungen kommt.

Zurück