Gesundheitswirtschaft im Landkreis Osnabrück - Positionierung, Spezialisierung und Perspektiven im überregionalen Wettbewerb

Gutachten im Auftrag der WIGOS Wirtschaftsförderungsgesellschaft Osnabrücker Land mbH

Jung Hans-Ulrich, Olaf Krawczyk und Kai Weber

Hannover, Januar 2004

Download: PDF


Im Mittelpunkt vergangener und aktueller Diskussionen über das deutsche Gesundheitswesen steht meist die Finanzierung des Systems bei zunehmender Inanspruchnahme von Leistungen und stagnierenden Einnahmen der gesetzlichen Leistungsträger. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gehört die Gesundheitswirtschaft aber v.a. zu den wenigen Sektoren in Deutschland, die zusätzliche Beschäftigung induzieren. Die demographischen und sozio-ökonomischen Veränderungen in Deutschland führen dazu, dass der Gesundheitssektor auch zukünftig einen bedeutenden Wachstumsmarkt darstellt.

Mit über 13.000 Beschäftigten , d.h. 14% der Gesamtbeschäftigung, hat die Gesundheitswirtschaft für die Wirtschaftsstruktur des Landkreises Osnabrück eine sehr hohe Bedeutung. Alle Bereiche der Gesundheitswirtschaft - die Gesundheitswirtschaft als eine Querschnittsbranche umfasst dabei nicht nur ambulante und stationäre ärztliche, nichtärztliche und pflegerische Dienstleistungen, sondern auch die Herstellung von pharmazeutischen und medizintechnischen Produkten, das Gesundheitshandwerk, den Handel mit Arzneimitteln und Medizinprodukten, gesundheitsbezogene Forschung und Bildung sowie - mit zunehmender Bedeutung - auch Dienstleistungen der Gesundheitsvorsorge im Bereich Sport, Wellness und Tourismus - sind überdurchschnittlich (Kernbereich / Gesundheitsversorgung, Pflegebereich) bis durchschnittlich (Vorleistungs- und Zulieferbereich, sonstige Gesundheitswirtschaft) vertreten. Die vier Kurorte im Landkreis und die Vielzahl der Rehabilitationseinrichtungen sind ein Merkmal, das auch im überregionalen Vergleich hervorsticht .

Die Gesundheitswirtschaft durchläuft einen Prozess tiefgreifender, sich beschleunigender Strukturveränderungen. Wesentliche Merkmale dieses Strukturwandels sind:

  • Standort- und Beschäftigungsgefährdungen durch Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen einerseits, aber
  • Chancen und Potenziale für neue Märkte, d.h. innovative Dienstleistungen und Produkte, sowie eine Zunahme der Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistun-gen andererseits,
  • ein zunehmender Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern der Gesund-heitsversorgung und damit auch
  • ein zunehmender Wettbewerb unter den Regionen (z.B. um Gesundheitstouri-sten und qualifizierte Arbeitskräfte).

Um auf die vielfältigen aktuellen Herausforderungen in der Gesundheitswirtschaft zu reagieren, ist zügiges Handeln der Akteure im Landkreis Osnabrück erforderlich. Die Gesundheitswirtschaft ist im Umbruch, weshalb sich bereits auch andere Regionen positionieren und ihre Kräfte bündeln (z.B. Ostwestfalen-Lippe). Entscheidend hierbei wird sein, sich mit den Strukturveränderungen in der Gesundheitswirtschaft aktiv auseinander zu setzen und die Herausforderungen als Chance zu begreifen. Bei innovativen Dienstleistungen und Produkten muss eine Vorreiterrolle übernommen werden. Sich bietende Potenziale (z.B. Verbesserung der Kostenstrukturen, Effizienzsteigerung in der Patientenversorgung, Erschließung wachsender Märkte) müssen ausgeschöpft werden.

Um die notwendigen Aktivitäten zum Wohle des ganzen Landkreises Osnabrück zu koordinieren, wird eine "Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft" vorgeschlagen. Diese Brancheninitiative muss das noch vorherrschende Einzelkämpfertum und falsch verstandenes Konkurrenzdenken soweit wie möglich überwinden. Im Rahmen der "Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft" werden sechs Handlungsfelder mit einer Vielzahl von einzelnen Handlungsempfehlungen / Projektmöglic-keiten vorgeschlagen:

  1. Kooperationsförderung (Querschnittshandlungsfeld)
  2. Entwicklung des Gesundheitstourismus
  3. Sicherung der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal
  4. Ausbau der Angebote an individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und Gesundheitsvorsorge
  5. Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum
  6. Ausbau der Angebote für ältere Menschen

Zurück