Wirtschaftsstandort Region Hannover - Auf dem Weg in die Metropolregion

Studie im Auftrag der Region Hannover

Brandt, Arno, Ulf-Birger Franz, Jung Hans-Ulrich, Hendrik Nee, Alexander Skubowius und Janin Wieja

Hannover, August 2005




Der Bericht analysiert die Wettbewerbsposition der Region Hannover im Vergleich der 21 deutschen Verdichtungsräume. Zudem werden Strategien zur Gestaltung des demographischen Wandels aufgezeigt sowie Potenziale und Handlungsbedarfe, die mit der Anerkennung als Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen verbunden sind, beleuchtet.
 
Region Hannover bei Dienstleistungen im Spitzenfeld
 
Vor dem Hintergrund der schwachen gesamtwirtschaftlichen Lage und den zukünftigen Herausforderungen an die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsstandorten ist die Region Hannover relativ gut positioniert:
 
In der Gesamtschau 1998 bis 2004 schrumpfte die Beschäftigung zwar, während im Durchschnitt der westdeutschen Verdichtungsräume ein schwacher Zuwachs zu verzeichnen war. Allerdings behauptete sich die Region nach den EXPO-bedingten Rückgängen 2001 und verbesserte ihre Position kontinuierlich. Bei der Beschäftigtenentwicklung lag sie 2002 noch auf Rang 12 unter den 16 westdeutschen Verdichtungsräumen. Im Jahr 2004 nahm sie mit Rang 5 bereits einen Platz im vorderen Mittelfeld ein. Hannover schnitt deutlich besser ab als die vergleichbaren Regionen Aachen, Rhein-Main und Köln-Bonn. Dies verdeutlichte sich in einem Beschäftigtenabbau, der 2004 in der Region Hannover gegenüber dem Vorjahr mit 1,2 % vergleichsweise gering ausfiel.
 
Die Region Hannover ist ein ausgeprägter Dienstleistungsstandort und nimmt eine Spitzenposition unter den Verdichtungsräumen ein. Insbesondere bei unternehmensorientierten Dienstleistungen konnte die Position seit 1998 ausgebaut werden. Der Anteil an allen Beschäftigten stieg auf 16 % im Jahr 2004, was einen Zuwachs von gut 16.200 Arbeitsplätzen bedeutet. Eine gute Position belegt die Region auch bei wissensintensiven Dienstleistungen, zu denen u. a. Unternehmensberatungen, Ingenieurbüros und die Gesundheitswirtschaft gehören. Sie haben einen hohen Anteil an hochqualifizierten Arbeitskräften und spielen für den innovationsorientierten Strukturwandel ein wichtige Rolle. Hannover hat den dritthöchsten Beschäftigtenanteil in diesem Bereich nach den Großstadtregionen München und Rhein-Main. Die Region Hannover hat die Strukturprobleme der 80er Jahre hinter sich gelassen und sich in das Mittelfeld der Verdichtungsräume vorgearbeitet.
 
Region muss sich Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte stellen
 
Die Region Hannover wird bis 2015 weiter an Einwohnern gewinnen, allerdings führen die Verschiebung der Altersstrukturen und die steigenden Qualifikationsanforderungen der Wirtschaft zu einem erhöhten Wettbewerb um hochqualifizierte Arbeitskräfte. Die Ausdünnung der jüngeren Altersgruppen wird zu einer Verknappung von qualifizierten Arbeitskräften führen, die eine wissensbasierte Wirtschaft dringend benötigt, um wettbewerbsfähig zu sein. Eng mit den Hochschulen und ihren fast 40.000 Studierenden verbunden ist ein hoher Anteil junger Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, bei dem die Region den 5. Rang der großstädtischen Regionen einnimmt. Diese gilt es in Zukunft stärker an den Standort zu binden. Die Regionalpolitik besitzt damit einen wertvollen Anknüpfungspunkt, um mit geeigneten Strategien die Herausforderungen des demographischen Wandels auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu bewältigen.
 
Metropolregion bietet Chancen für regionale Entwicklung
 
Die zentrale Stärke der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen liegt in ihrem Innovationspotenzial. Die Ausstattung der Metropolregion mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist überdurchschnittlich. Dies spiegelt sich auch im Anteil des Forschungs- und Entwicklungspersonals an Hochschulen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen, der sog. FuE-Intensität wider. Sie beträgt in der Metropolregion 8,7 % gegenüber 6,3 % in Deutschland. Die Metropolregion nimmt damit für die wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit eine herausragende Bedeutung ein. Besondere Exzellenzen rund um die Mobilitätswirtschaft, den Bereich der Geowissenschaften sowie der Biotechnologie und Medizintechnik tragen dazu bei. Diese Exzellenzen müssen in Kooperation verstärkt, ausgebaut und über ausstrahlungsfähige Projekte europaweit kommuniziert werden, damit die Metropolregion in Europa mit ihrem besonderen Innovationsprofil wahrgenommen wird.
 
Mit dem Status der Metropolregion verbinden sich Vorteile, die bei einer konsequent verfolgten Kooperationspolitik zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die regionale Entwicklung werden: Die Region verfügt bei europäischen Infrastrukturentscheidungen - z. B. zu Verkehrswegen oder Forschungseinrichtungen - über eine verbesserte Ausgangsposition, um ihre Interessen durchzusetzen. Der Zugriff auf EU-Fördermittel wird mit Blick auf die veränderte Förderpolitik nach 2006 erleichtert. Zudem kommt der Imagegewinn, der bei einer professionellen Außendarstellung entsteht.
 
Mit der Anerkennung als Metropolregion wird ein neues Kapitel auf dem Gebiet der regionalen Kooperation aufgeschlagen. Die Region Hannover befindet sich in einer guten Ausgangsposition, um zusammen mit den Kooperationspartnern die Potenziale der Metropolregion zu heben. Die Kernstädte der Metropolregion und die umliegenden Räume ergänzen sich gut. In der Summe ergibt sich eine Metropolregion, die internationale Ausstrahlungskraft besitzt.

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