Regionalökonomische Wirkungen der Maßnahme Innovationen durch Hochschulen des MWK für Niedersachsen

Studie im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK)

Bornemann, Holger, Anja Breuer, Cordes Alexander, Hans-Ulrich Jung, Ralph Rautenberg und Alexander Skubowius

Bremen/Hannover, Mai 2011

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Der hohe Stellenwert der Innovationsförderung auf europäischer Ebene zeigt sich sowohl im Rahmen der Lissabon-Strategie als auch im "smart growth" der Strategie "Europa 2020". In Niedersachsen werden vor diesem Hintergrund Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) verstärkt zur Förderung der Innovationsfähigkeit von Wissenschaft und Wirtschaft eingesetzt. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) hat dazu u.a. das Programm "Innovation durch Hochschulen" aufgelegt, das einen wichtigen Baustein der niedersächsischen Innovationsförderung bildet. Ein zentraler Fördergegenstand des Programms sind FuE-Kooperationsprojekte zwischen niedersächsischen Hochschulen und Unternehmen.

Das MWK hat die Prognos AG und das NIW beauftragt, diese langfristigen Wirkungen des Förderprogramms zu untersuchen. Die Analyse umfasste 73 Projekte zwischen Hochschulen und Unternehmen aus der Förderperiode 2000 bis 2006. Zuwendungsfähig waren Forschungsprojekte an Hochschulen mit einer Dauer bis zu zwei Jahren aus unterschiedlichen Technologiefeldern, die in Kooperation mit Unternehmen aus dem ehemaligen Ziel-2-Gebiet durchgeführt wurden.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die hohe Bedeutung räumlicher Nähe zwischen den Kooperati-onspartnern. Die Projektidee wurde dabei häufig im Rahmen des gegenseitigen Austauschs zwischen den Hochschullehrern und den ehemaligen Mitarbeitern bzw. Studenten in den Unternehmen vor Ort entwickelt. In diesem Zusammenhang wurden zusätzlich zu den EFRE-Projektmitteln auch private Aufwendungen vor allem im direkten Umfeld der Hochschulstandorte angestoßen.

Die direkten Beschäftigungswirkungen umfassen v. a. die Mitarbeiter in den Hochschulen und Unter-nehmen, die im Rahmen der geförderten Projekte eingesetzt wurden (rund 320 direkte Arbeitsplatzeffekte). Davon sind 170 Arbeitsplätzen zusätzlich entstanden, die übrigen konnten gesichert werden. Darüber hinaus haben die geförderten Projekte zur Einwerbung weiterer Drittmittelprojekte an den Hochschulen bzw. der Durchführung von Folgeprojekten in den Unternehmen beigetragen. Diese Projekte führten nach Schätzungen zu weiteren ca. 350 Arbeitsplätzen.

Vertiefende Interviews bei den Hochschulakteuren und Unternehmensbefragungen zeigen darüber hinaus wichtige langfristige Effekte im Hinblick auf die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Hochschulen und Unternehmen:

  • Die Hochschullehrer wurden durch das Förderprogramm in ihren Kooperationsaktivitäten bestärkt. Sie konnten ihre Forschungsschwerpunkte vertiefen, aufgrund des Anwendungsbezugs neue Fragestellungen bearbeiten und ebenso neue Arbeitsgebiete entwickeln. Ebenso konnte die technische Ausstattung der Institute verbessert sowie die wissenschaftliche Reputation (Kontakte, Drittmittelprojekte, Veröffentlichungen) ausgebaut werden. Zudem waren Forschungsergebnisse wichtiger Bestandteil von Promotionsvorhaben und konnten in die Lehre einfließen (Humankapitaleffekte).
  • Für zwei Drittel der Unternehmen verliefen die Projekte insgesamt erfolgreich, für über die Hälfte der Unternehmen führten sie zu einer Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Insgesamt konnten drei Viertel der Unternehmen eine Invention verzeichnen, fast bei der Hälfte der Inventionen gelang zudem die wirtschaftliche Verwertung. Vom Technologietransfer haben dabei vor allem KMU profitiert. Dort wurden die Innovationserfolge - auch aus Sicht der Hochschulen - als besonders hoch eingeschätzt.
  • Ein weiteres wichtiges Ziel der Förderung ist die Steigerung des Innovationspotenzials in den Unternehmen durch den Wissens- und Technologietransfer. Eine besondere Rolle spielen da-bei die erworbenen technologischen Kompetenzen und das implizite Wissen der Projektmitarbeiter zur Anwendung und Weiterentwicklung der Forschungsergebnisse. In einigen Fällen wurde dieser Transfererfolg seitens der Unternehmen sogar höher bewertet als eine direkte wirtschaftliche Verwertung der Projektergebnisse.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Förderprogramm einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kooperationsbereitschaft der Akteure sowie zur Steigerung der Innovationsfähigkeit bei Hochschulen und Unternehmen in Niedersachsen leistet.

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