Untersuchung der Belastbarkeit von mütterlichen Selbsteinschätzungen der kindlichen Entwicklung

26.02.2016

Die Frage, welche Auswirkungen familienpolitische Maßnahmen wie der Krippenausbau oder die Einführung des Elterngeldes auf die kindliche Entwicklung haben, ist wissenschaftlich und gesellschaftlich von großem Interesse. Studien, die dieser Frage nachgehen, verwenden oft Maße für kindliche Entwicklung, die auf standardisierten, von den Müttern beantworteten, Fragebögen basieren. In dem Artikel "How Much Can We Trust Maternal Ratings of Early Child Development in Disadvantaged Samples?", der demnächst in der Zeitschrift Economics Letters erscheint, untersucht Malte Sandner (NIW) gemeinsam mit der Psychologin Tanja Jungmann (Universität Rostock), ob solche Fragebögen auch bei benachteiligten Müttern belastbare Aussagen über die Kindesentwicklung zulassen.

Der untersuchte Fragebogen wird im sozio-ökonomischen Panel (SOEP) eingesetzt und misst die kindliche Entwicklung im Alter von 2-3 Jahren. Er umfasst 20 Fragen zu den Fähigkeiten des Kindes, die von den Müttern der Kinder beantwortet werden. Der Fragebogen wurde auch im Rahmen der Evaluation des Hausbesuchsprograms „Pro Kind“ eingesetzt. Zusätzlich wurde in dem Modellprojekt die Entwicklung der Kinder mit objektiven experimentellen Entwicklungstestungen, die von geschulten Testleitern durchgeführt werden, gemessen. Der "Pro Kind"-Datensatz besteht ausschließlich aus belasteten Müttern, bei denen die Validität von Selbstangaben bisher nicht belegt ist. Die Korrelationen zwischen der experimentellen Messung und den Fragebogenangaben sind jedoch stark und signifikant, was auf eine Belastbarkeit der Selbstangaben schließen lässt. Allerdings nimmt die Stärke der Korrelationen ab, wenn die Anzahl der Risikofaktoren zunimmt.

Sandner, Malte und Jungmann, Tanja (2016): How Much Can We Trust Maternal Ratings of Early Child Development in Disadvantaged Samples?, Economics Letters, DOI: 10.1016/j.econlet.2016.01.021

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