Neue Veröffentlichung: Auswirkungen der G8-Reform auf nachschulische Bildungsentscheidungen

25.02.2016

Das Ziel der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre (G8-Reform) in den meisten Bundesländern bestand vor allem darin, Abiturientinnen und Abiturienten einen früheren Übergang in die nachschulische Bildung und damit einen früheren Berufseinstieg zu ermöglichen. In dem Papier "How Important Is Secondary School Duration for Postsecondary Education Decisions? Evidence from a Natural Experiment", das nun im Journal of Human Capital erschienen ist, untersuchen Tobias Meyer und Stephan Thomsen, inwieweit dieses Reformziel erreicht wurde und welche Bedeutung die Länge und Intensität der Schulzeit für die weiteren Bildungsentscheidungen nach dem Abitur besitzt.

Für die Untersuchung wurden die nachschulischen Bildungswege des Doppelabiturjahrgangs 2007 in Sachsen-Anhalt (der aus dem letzten Jahrgang mit noch 13-jährigem Abitur und dem ersten Jahrgang mit verkürzter Schulzeit bestand) für einen Zeitraum von viereinhalb Jahren nach dem Abitur erhoben. Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass die Reform die Bildungsentscheidungen der Abiturientinnen beeinflusst hat. In den ersten drei Jahren nach dem Schulabschluss nehmen sie seltener ein Studium auf (Rückgang um ca. 15 Prozentpunkte) und absolvieren stattdessen häufiger eine Berufsausbildung. Nach diesen drei Jahren ist aber kein Unterschied mehr in der Studierneigung festzustellen. Somit hat die Reform keinen Einfluss auf die Studierendenquote insgesamt, jedoch auf den Zeitpunkt der Studienaufnahme, so dass ein Teil der Abiturientinnen später als ursprünglich ein Studium beginnt. Darüber hinaus lassen sich leichte Unterschiede in der Wahl des Studienfachs feststellen (insbesondere Naturwissenschaften und Mathematik werden etwas seltener gewählt).

Bei den männlichen Abiturienten sind dagegen keine eindeutigen Effekte festzustellen. Wenn überhaupt, hat die Reform bei ihnen zu einer leicht höheren Studierneigung geführt. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die untersuchten Abiturienten noch von der Wehrpflicht betroffen waren und viele von ihnen somit ein weiteres Jahr nach dem Abitur zur Verfügung hatten, um ihre Entscheidung über den weiteren Bildungsweg zu treffen.

Die Ergebnisse lassen sich sowohl durch einen Leistungseffekt (d. h. eine im Vergleich zum 13-jährigen Abitur schlechtere fachliche Vorbereitung auf ein Hochschulstudium) als auch einen Orientierungseffekt (d. h. eine aufgrund der kürzeren Schulzeit und des jüngeren Abschlussalters erhöhte Unsicherheit in Bezug auf die weiteren Bildungs- und Berufspläne) erklären. Eine Reihe von Gründen deutet darauf hin, dass der Orientierungseffekt eine größere Rolle spielt.

Meyer, Tobias und Stephan L. Thomsen (2016): How Important Is Secondary School Duration for Postsecondary Education Decisions? Evidence from a Natural Experiment, Journal of Human Capital, 10(1): 67-108.

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