Statement: Inflation

05.07.2012

Ein dauernder Anstieg des Preisniveaus wird in der Volkswirtschaftslehre als Inflation bezeichnet. Abgeleitet vom lateinischen Wort inflare, d.h. aufblasen, lässt sich ihr Wesen schön an der Metapher eines aufzublasenden Luftballons illustrieren: Obwohl im Volumen immer größer, bleibt das Gewicht des Ballons gleich. Wird nun der Preis des Ballons allein über die Größe bestimmt, so wird er stetig teurer, obwohl – nehmen wir hier einfach einmal an, dass ein Aufblasen kostenlos ist – sich sein Gewicht nicht verändert.

Übertragen auf die Wirtschaft kommt es bei Inflation also zu einer Teuerung der Güter, oder anders ausgedrückt, einer Entwertung des Geldes. Aus der Literatur zur Erklärung von Inflation lassen sich vor allem zwei Ursachen identifizieren: Die Ausweitung der Geldmenge und die Verringerung der realen Produktion. Im Hinblick auf die zweite Ursache hat sich die Wirtschaft in Deutschland und auch in Niedersachsen seit der globalen Krise erholt. Allerdings deuten die Indikatoren zur Wirtschaftslage, hier insbesondere die Auftragseingänge, auf eine Abkühlung hin, die bereits im Frühling dieses Jahres begonnen hat. Zu beachten ist zudem, dass wir eine gemeinsame europäische Währung zur Bestimmung des Preisniveaus haben, die entsprechend von der wirtschaftlichen Lage aller Euro-Staaten abhängt. Und hier sind die Zeiten für die südeuropäischen Länder noch schwieriger. Ernst zu nehmen ist aber zugleich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ausgehend von der Banken- und Finanzkrise hat die EZB in den letzten Jahren eine immer stärker expansive Geldpolitik verfolgt. Auch der kommende Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird, wenn auch anders deklariert, hier vermutlich (zunächst) zu keiner restriktiveren Linie führen.

In Verbindung mit der gegenwärtigen Schuldenkrise lassen sich die aus der expansiven Politik induzierten wachstumsfördernden Impulse nur schwer bewerten. Unterm Strich aber werden Preisniveausteigerungen, d.h. ein Anstieg der Inflation, unausweichlich sein. Wie hoch diese ausfällt, kann im Moment niemand prognostizieren. Sicher ist jedoch, dass die Staatsregierungen der EU (und dies meint nicht die Volkswirtschaften) hiervon profitieren würden. Gemäß dem alten deutschen Sprichwort „Schulden sind keine Hasen“ werden sie ihre Gläubiger dann nämlich leichter bedienen können. Für die Volkswirtschaften sind die Folgen der Inflation aber weniger schön: Trotz kurzfristiger Impulse sind mittelfristig der Abbau von Beschäftigung und eine Verringerung der Wirtschaftsleistung zu erwarten. Eine restriktive Fiskal- und Geldpolitik ist zwar kurzfristig schmerzhafter, führt längerfristig aber zu geringeren Verwerfungen.

Stephan Thomsen

(niw-info 1/2012, S. 9)

Zurück