Neues Diskussionspapier zum Zusammenhang von Einkommensarmut und Persönlichkeitsmerkmalen

28.09.2015

In einem aktuellen Diskussionspapier untersuchen Hendrik Thiel und Stephan Thomsen den Zusammenhang zwischen Einkommensarmut und Persönlichkeitseigenschaften. Dabei gehen sie insbesondere der Frage nach, ob die Wahrscheinlichkeit, von Einkommensarmut betroffen zu sein, durch die individuelle Kontrollüberzeugung einer Person beeinflusst wird, und umgekehrt, ob eine persönliche Armutserfahrung dazu führt, dass sich die Kontrollüberzeugung verändert.

Der erste Zusammenhang erscheint plausibel, da Einkommensarmut durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren verursacht ist, die wiederum mit der individuellen Kontrollüberzeugung zusammenhängen. Der zweite Zusammenhang ist zunächst weniger klar, da sich Persönlichkeitseigenschaften auf dem Weg ins Erwachsenenalter stabilisieren und sich danach kaum noch verändern. Allerdings ist es auch hier möglich, dass einschneidende Lebenserfahrungen, wie z. B. die Erfahrung von Armut, zu einer Veränderung der Persönlichkeitsmerkmale führen. Letzteres wäre besonders gravierend, da ein armutsbedingter Rückgang der Kontrollüberzeugung wiederum die Wahrscheinlichkeit, von Armut betroffen zu sein, verstärken würde, wodurch die betroffenen Personen in einem "Teufelskreis" gefangen blieben.

Die empirischen Ergebnisse der Untersuchung deuten in der Tat darauf hin, dass Armutserfahrungen die individuelle Kontrollüberzeugung zu einem gewissen Grad beeinflussen. Trotz des relativ geringen Ausmaßes der Veränderung weist dies darauf hin, dass die Kontrollüberzeugung im Erwachsenenalter veränderlich ist.

Thiel, Hendrik und Stephan L. Thomsen (2015): Individual Poverty Paths and the Stability of Control-Perception, IZA Discussion Paper No. 9334

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