Neue Veröffentlichung: Ökonomische Kosten-Nutzen-Analysen als Beurteilungsinstrument in der Prävention

08.06.2015

In einem aktuellen Beitrag im forum kriminalprävention beschäftigt sich Prof. Dr. Thomsen mit den Möglichkeiten, ökonomische Kosten-Nutzen-Analysen zur Beurteilung in der (Kriminal-)Prävention einzusetzen. Kriminalität in Deutschland verursacht massive Schäden, sowohl für die direkt und indirekt Betroffenen als auch die Gesellschaft insgesamt. Allein im Jahr 2013 wurden deutschlandweit laut Polizeilicher Kriminalstatistik knapp 2,4 Millionen Diebstähle gemeldet, etwa 47.000 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst und die Zahl der gemeldeten Morde und Totschläge lag bei 2.122. Welchen Schaden fügen diese Straftatbestände der Gesellschaft zu? Ist der Schaden durch Mord und Totschlag größer als der Schaden, der durch die Diebstähle entsteht? Um diese Fragen objektiv zu beantworten, müssten die Schäden bzw. ihre Kosten zunächst bestimmt und vergleichbar gemacht werden. Dieser Kostenvergleich hilft dann auch, um eine weitere Frage zu beantworten: Welchen Aufwand sollte der Staat betreiben, um die Kriminalität einzudämmen?

Die Verwendung von Kosten-Nutzen-Analysen würde es erlauben, Präventionsprogramme und die Kriminalpolitik ökonomisch zu beurteilen und so Entscheidungen im Hinblick auf Modifikationen, Ausweitungen oder Einstellungen der Aktivitäten zu unterstützen. Durch den Vergleich der Vorteile und Nachteile bestimmter Programme oder Interventionen gegenüber alternativen Verwendungen (einschließlich der Option, gar nichts zu tun) können sie zudem zu einer Versachlichung und Evidenzbasierung in der Ausgestaltung der Politik im gesellschaftlichen Dialog beitragen. Während in den USA eigene Institute eingerichtet worden sind, die sich intensiv mit der Analyse dieser Fragestellungen auseinandersetzen, fehlen vergleichbare Ansätze in Deutschland fast gänzlich.

Thomsen, Stephan (2015), Kosten-Nutzen-Analysen als Beurteilungsinstrument in der Prävention, forum kriminalprävention, 2/2015 (April-Juni), S. 3-7.

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