Neue Veröffentlichung: Hausbesuchsprogramm „Pro Kind“ verbessert mütterliches Wissen über kindliche Zahngesundheit

17.10.2014

Frühkindliche Karies und ihre Folgen stellen gerade bei Familien aus niedriger sozialer Schicht und in Familien mit Migrationshintergrund ein ernsthaftes, ungelöstes "Public-Health-" und gesundheitsökonomisches Problem dar. In dem nun veröffentlichten Aufsatz "Zahnärztliche Gesundheitsfrühförderung in der Frühen Hilfe – Eine randomisierte Kontrollgruppenstudie", der in der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift erschienen ist, zeigen Peggy Herrmann (Medizinische Hochschule Hannover, MHH), Karen Meyer (MHH), Malte Sandner (NIW Hannover), Tanja Jungmann (Universität Rostock), Alexander Rahman, Werner Geurtsen und Hüsamettin Günay (alle MHH), dass die Frühe Hilfe "Pro Kind" präventiv auf die Ursachen frühkindlicher Karies wirken kann.

Bei der Frühen Hilfe "Pro Kind" handelt es sich um ein Hausbesuchsprogramm für benachteiligte erstgebärende Mütter. Es beinhaltet unter anderem ein spezifisch zahnärztliches Teilmodul. Die Effekte von "Pro Kind" werden anhand eines randomisierten kontrollierten Feldexperiments untersucht. Im Gegensatz zu einem Großteil der zahnmedizinischen Präventionsangebote basiert "Pro Kind" nicht auf dem tradierten Konzept, darauf zu warten, dass die Klienten zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung kommen ("Komm-Struktur"), sondern sucht die Familien vor Ort auf.

Das interdisziplinäre Forschungsteam zeigt, dass Mütter, die die "Pro Kind" Hausbesuche erhalten haben, über ein höheres zahngesundheitliches Wissen verfügen und häufiger zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen als vergleichbare Mütter, die die Hausbesuche nicht erhalten haben. Darüber hinaus waren die vom Programm begleiteten Mütter häufiger kariesfrei und wiesen einen besseren Kariessanierungsgrad auf, dagegen unterschieden sich die Indices zur Mundhygiene und der Kariesgrad der Kinder im Alter von zwei Jahren zwischen den Gruppen kaum. Die positiven Befunde im zahngesundheitlichen Wissen und bei der Inanspruchnahme von zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen sprechen für eine Regelimplementierung des Konzeptes auch bei anderen Hausbesuchsprogrammen der Frühen Hilfen. Die Maßnahme könnte somit einen Beitrag zur Lösung des Problems der frühkindliche Karies leisten und eine finanzielle Entlastung des Gesundheitssystems darstellen.

Herrmann, Peggy, Karen Meyer, Sandner, Malte, Tanja Jungmann, Alexander Rahman, Werner Geurtsen, Hüsamettin Günay (2014): "Zahnärztliche Gesundheitsfrühförderung in der Frühen Hilfe – Eine randomisierte Kontrollgruppenstudie", Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 69(10), 573-583

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