Neue Veröffentlichung: Einfluss der Schulform auf Fairnesspräferenzen

29.10.2015

Fairnesspräferenzen haben eine große Bedeutung in der Gesellschaft, u. a. für die als gerecht empfundene Verteilung von Einkommen, die Besteuerung und die Unterstützung anderer, insb. wirtschaftlich schwächerer Gesellschaftsmitglieder. Diese Präferenzen sind individuell verschieden, bisher ist aber nicht abschließend geklärt, welcher Teil der persönlichen Präferenzen angeboren ist und welcher durch Erziehung und Bildung entsteht. Insbesondere für die Schule kann durch Vermittlung von Werten und Normen ein entscheidender Einfluss vermutet werden.

In dem aktuellen Beitrag "School-track environment or endowment: What determines different other-regarding behavior across peer groups?", der in Kürze in Games and Economic Behavior erscheint, untersuchen Katrin John und Stephan Thomsen, inwieweit die schulformenspezifische Umgebung Unterschiede in Fairnesspräferenzen von deutschen Realschülern und Gymnasiasten erklären kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Gymnasiasten im Durchschnitt höhere freiwillige Spenden geben als Realschüler. Diese Effekte werden dabei durch die schulformspezifische Umgebung und nicht durch die sozioökonomische Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler erklärt.

Um die Fairnesspräferenzen zu messen, verwenden sie ökonomische Experimente, bei denen Schüler unterschiedlicher Altersstufen Entscheidungen über die Aufteilung von Geldbeträgen zwischen sich und anderen treffen müssen. Hierbei unterscheiden sich die Rahmenbedingungen dieser Aufteilungen bezüglich der individuellen Auszahlung. Konkret wurden das sogenannte Diktatorspiel und das Öffentliche-Gut-Spiel an sechs verschiedenen Schulen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt durchgeführt. Das Ergebnis der höheren freiwilligen Spenden der Gymnasiasten wird zudem darauf geprüft, ob die Selektivität, die die Schulformenentscheidung bedingt, die Unterschiede erklären kann. Es zeigt sich, dass weder Unterschiede im IQ noch im sozialen Hintergrund oder in den Persönlichkeitsmaßen der Schüler zur Erklärung der Unterschiede beitragen können. Daher liegt der Schluss nahe, dass die unterschiedlichen Fairnesseinstellungen über die schulformenspezifische Umgebung beeinflusst werden. Diese besteht unter anderem in abweichenden Curricula, Lehrerausbildung, Schwerpunktsetzung, Lehrmethoden und Ausstattung.

John, Katrin und Stephan L. Thomsen (2015): School-track environment or endowment: What determines different other-regarding behavior across peer groups?, Games and Economic Behavior, im Erscheinen.

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