Neue Veröffentlichung: Die Rolle der Persönlichkeit für Einkommensunterschiede und Berufswahl

04.08.2014

Beobachtbare Einkommensunterschiede sind immer wieder Gegenstand gesellschaftlicher Diskussion. Dabei wirft nicht nur der Einkommensabstand zwischen Frauen und Männern (der sog. Gender Wage Gap) Fragen auf, sondern es gibt auch Einkommensabstände zwischen formal vergleichbar ausgebildeten Gruppen. Warum wechseln aber nicht mehr Menschen von einem Job in einen anderen, vermeintlich höher Bezahlten? Und warum gibt es so große und sogar steigende Einkommensunterschiede, obwohl die Höherqualifizierung breiter Schichten seit vielen Jahrzehnten gefördert und forciert wird?

Diesen Fragen gehen Katrin John und Stephan Thomsen in ihrem Aufsatz "Heterogeneous Returns to Personality: The Role of Occupational Choice" nach, der in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Empirical Economics erschienen ist. Ein Teil der Antwort, der bisher nicht untersucht wurde, liegt dabei in Unterschieden in der Persönlichkeit. Neben der formalen Qualifikation, die über die Ausbildung und die Arbeitsmarkterfahrung definiert wird, hat nämlich die eigene Persönlichkeit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Berufswahl und auch auf das Einkommen. Hierbei spielen die Ausprägungen der Persönlichkeitsmerkmale aber eine unterschiedliche Rolle: so kann die überdurchschnittliche Ausprägung einzelner Eigenschaften sich zwar positiv auf die Wahl eines bestimmten Berufs auswirken. Sind die Merkmale aber auch überdurchschnittlich im Vergleich zur Berufsgruppe ausgeprägt, kann dies wiederum zu Einkommensabschlägen führen.

Für die Analyse haben die Forscher Daten des Sozioökonomischen Panels des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus den Jahren 1992 bis 2009 verwendet. In dieser repräsentativen Haushaltsbefragung werden neben umfangreichen erwerbsbezogenen Informationen auch Persönlichkeitseigenschaften unter Verwendung umfangreicher persönlichkeitspsychologischer Fragensets erhoben. Hieraus wurden sieben verschiedene Facetten der individuellen Persönlichkeit extrahiert (das Fünf-Faktoren-Modell, ein Maß der Kontrollüberzeugung und ein Reziprozitätsmaß) und zur Charakterisierung verwendet. Zur besseren Interpretation wurden darüber hinaus Persönlichkeitstypen unter Berücksichtigung aller Maße identifiziert.

John, Katrin und Stephan Thomsen (2014): "Heterogeneous Returns to Personality: The Role of Occupational Choice", Empirical Economics, 47(2), 553-592.

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