Geschäftsmodelle von Lohnherstellern in der deutschen Pharmabranche

17.12.2015

Lohnhersteller produzieren im Auftrag für andere Unternehmen und sind in der Pharmaindustrie von vergleichsweiser hoher Bedeutung. In einer neu erschienen Studie, die das NIW im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) erstellt hat, wurde das bislang noch weitgehend unbekannte Teilsegment der Lohnhersteller quantitativ und qualitativ analysiert.

Ziel der Untersuchung war es, ein Profil dieser Teilbranche in Deutschland herauszuarbeiten und Geschäftsmodelle zu untersuchen. Die quantitative Analyse basierte auf amtlichen Firmendaten (AFiD Panel) der Forschungsdatenzentren des Bundes und der Länder. Die Ergebnisse zeigen, dass 2013 im Schnitt 14,5 Prozent der Pharmabetriebe in Deutschland Lohnherstellung betrieben haben. Dieser Anteil ist in der Zehnjahresfrist gestiegen. Innerhalb des Segmentes der Lohnhersteller ist für rund drei Viertel der Betriebe Lohnherstellung das vorherrschende, oftmals ausschließliche Geschäftsmodell.

Für die qualitative Analyse wurden u. a. Expertengespräche mit Unternehmen (Geschäftsführung und Betriebsräte) und anderen Stakeholdern (Verbände, Gewerkschaften) geführt. Im Mittelpunt der Gespräche standen die folgenden Fragen: 

  • Welchen Herausforderungen und Anpassungserfordernissen sehen sich die Unternehmen gegenüber?
  • Wie müssen Unternehmensstrategien bzw. Geschäftsmodelle ausgerichtet sein, um angesichts wachsender Konkurrenz aus dem Ausland Entwicklungsperspektiven für den Produktionsstandort Deutschland zu sichern?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich für Beschäftigung und Arbeitsbedingungen?

Dabei wurde deutlich, dass die Mehrzahl der eigenständigen Lohnhersteller in ihrem Geschäftsmodell auf Spezialisierung und Nischenproduktion setzt. Um die Kundenbindung zu erhöhen und weniger leicht austauschbar zu sein, haben mehrere der befragten Unternehmen im Laufe der Zeit einen Strategiewechsel vom reinen Lohnfertiger zum Full-Service-Provider vollzogen.

Die Befragten gehen grundsätzlich davon aus, dass die Lohnherstellung innerhalb der Pharmaproduktion weiter an Bedeutung gewinnen wird. Allerdings wird sich die Marktbereinigung und Konzentration unter den Lohnherstellern wie auch in der Pharmaindustrie insgesamt in Deutschland weiter fortsetzen.

Außerdem lässt sich feststellen, dass Lohnhersteller im Schnitt weniger Beschäftigte haben und relativ betrachtet geringere Gehälter zahlen, was sowohl mit dem etwas geringeren Qualifikationsniveau der Beschäftigten als auch mit der Ertragssituation der Betriebe zusammenhängen kann. Dennoch kommen auch bei den Lohnherstellern immer mehr Hochqualifizierte zum Einsatz.

Gehrke, Birgit und Friederike von Haaren-Giebel (2015): Branchenanalyse Pharmaindustrie. Geschäftsmodelle von Lohnherstellern und deren Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen, Hans-Böckler-Stiftung, Study 305, Düsseldorf.

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