Forschung und Innovation in Deutschland: Internationale Position behauptet, aber Potenzial nicht ausgeschöpft

26.02.2014

Das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) Hannover hat mehrere Studien zum deutschen Innovationssystem für das heute erschienene Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) erstellt. Sie zeigen, dass Deutschland seine internationale Position im Hinblick auf die gesamtwirtschaftlichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie den Außenhandel mit forschungsintensiven Waren behaupten, zum Teil sogar verbessern konnte. Zugleich besitzt Deutschland aber noch ungenutzte Potenziale, insbesondere bei der Zuwanderung hochqualifizierter Wissenschaftler.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat heute, am 26. Februar 2014, ihr Jahresgutachten an die deutsche Bundesregierung übergeben. Die Expertise stützt sich dabei auch auf empirische Studien, die das NIW Hannover gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten erarbeitet hat. Die Studien zeigen, dass im Jahr 2012 in Deutschland fast genau 3% des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung in Unternehmen, Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen aufgewendet wurden. Das von der Bundesregierung in Anlehnung an die Lissabon-Strategie gesetzte Ziel wurde damit erstmals erreicht. Zwei Drittel werden in der Wirtschaft (insbesondere in der Hochwertigen Technik, wie z. B. Automobilbau, Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemische Industrie), ein Drittel in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen durchgeführt. In Deutschland finanzieren die Unternehmen zugleich einen größeren Anteil als in den meisten europäischen Ländern.

Die deutsche Volkswirtschaft konnte ihre Vorteile im Außenhandel mit forschungsintensiven Waren behaupten und in jüngerer Zeit sogar etwas ausbauen. Hierfür war insbesondere die Stärke im Segment der Hochwertigen Technik verantwortlich. Der Anteil forschungsintensiver Industrien an der gesamten Industrieproduktion ist in Deutschland seit 1995 auf mittlerweile knapp 48 Prozent gestiegen. In einer der Schlüsselbranchen der technologischen Leistungs- und Innovationsfähigkeit, der Informations- und Kommunikationswirtschaft, hält Deutschland bei FuE, Produktion und Außenhandel international aber nur eine relativ schwache Position.

Der Einsatz Hochqualifizierter in Deutschland ist im internationalen Vergleich leicht unterdurchschnittlich. Im direkten Vergleich mit den USA zeigt sich auch ein geringerer Beitrag der Zuwanderung. Der Forscheranteil unter den Zuwanderern nach Deutschland ist mit weniger als 4 Prozent nur halb so hoch wie der Forscheranteil der in Deutschland Geborenen. Demgegenüber gelingt es den USA, insgesamt einen deutlich höheren Anteil an Hochqualifizierten aus dem Ausland zu rekrutieren.

Die Studien des NIW

Baethge, Martin, Alexander Cordes, André Donk et al. (2014): Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2014 – Schwerpunkt: Neue Konstellation zwischen Hochschulbildung und Berufsausbildung, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 1-2014.

Schasse, Ulrich, Heike Belitz, Andreas Kladroba und Gero Stenke (2014): Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der deutschen Wirtschaft, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 2-2014.

Schiersch, Alexander und Birgit Gehrke (2014): Die Wissenswirtschaft im internationalen Vergleich: Strukturen, Produktivität, Außenhandel, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 6-2014.

Schiller, Daniel (2014): Machbarkeitsstudie Forschermobilität, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 9-2014.

Cordes, Alexander und Daniel Schiller (2014): Forschermobilität und qualifizierte Zuwanderung in Deutschland und den USA – Eine Analyse aktueller nationaler Mikrodaten, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 10-2014.

Gehrke, Birgit, Alexander Cordes, Katrin John et al. (2014): Informations- und Kommunikationstechnologien in Deutschland und im internationalen Vergleich, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 11-2014.

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