Aktuelle Studien zum deutschen Innovationssystem erschienen

25.02.2015

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat heute ihr Jahresgutachten an die Bundesregierung übergeben. Die Expertise stützt sich dabei auch auf innovationspolitisch relevante empirische Studien, die das NIW Hannover teils in Eigenregie, teils gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten erarbeitet hat. Sie sind auch über die Homepage der EFI zugänglich.

Das NIW beobachtet und berichtet regelmäßig im Ländervergleich über die Entwicklung der Bildungs- und Qualifikationsstrukturen von Bevölkerung und Erwerbspersonen (Studie 1-2015), der privaten und öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (Studie 3-2015) sowie über die Positionierung und Spezialisierung Deutschlands im Außenhandel mit forschungsintensiven Waren gegenüber wichtigen Wettbewerbern (Studie 10-2015).

Als zentrale Befunde lassen sich festhalten:

  • Die Beschäftigungsanteile Hochqualifizierter in Deutschland liegen zum Teil deutlich unter denen in anderen europäischen Ländern. Dasselbe gilt für die Beschäftigungsanteile von MINT-Berufen, in denen zudem relativ hohe Ersatzbedarfe bestehen. Allerdings weisen die Studienberechtigten-, Studienanfänger- und Studienabschlussquoten einen kontinuierlichen Aufwärtstrend auf.
  • Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) in der deutschen Wirtschaft stagnierten 2013 gegenüber dem Vorjahr, während sie in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen weiter zugenommen haben. Im internationalen Vergleich produziert Deutschland FuE-intensiver als die meisten anderen Industrieländer, liegt aber weiterhin deutlich hinter Korea, Japan und den nordeuropäischen Ländern zurück.
  • Im internationalen Handel mit forschungsintensiven Waren konnte Deutschland im Unterschied zu anderen großen Technologienationen seine Exportposition nicht nur halten, sondern seine komparativen Vorteile im Technologiegüterhandel weiter ausbauen.

Darüber hinaus wurden in diesem Jahr vom NIW drei Optionsthemen behandelt:

  • Auf Basis des IAB-Betriebspanels wurde eine differenzierte Untersuchung zum betrieblichen Weiterbildungsverhalten in Deutschland durchgeführt (Studie 2-2015). Dabei kamen sowohl deskriptive als auch Regressionsanalysen zur Anwendung, um die Zusammenhänge zwischen den verwendeten Weiterbildungsindikatoren und betrieblichen Merkmalen (wie Branchenzugehörigkeit oder Betriebsgröße) zu beschreiben. Es zeigt sich, dass die betrieblich geförderte Weiterbildung ihren seit 2007 zu beobachtenden Aufwärtstrend fortsetzt. Überdurchschnittlich hohe Weiterbildungsanstrengungen weisen Betriebe in wissensintensiven Wirtschaftszweigen auf. Außerdem nimmt die Weiterbildungsintensität mit steigendem Qualifikationsniveau der Beschäftigten zu.
  • Durch die Verknüpfung von zwei Mikrodatensätzen zur Beschäftigung in Deutschland (Betriebs-Historik-Panel: BHP; Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien: SIAB) war es möglich, Zusammenhänge zwischen der sektoralen Spezialisierung von Regionen und deren Attraktivität für Arbeitskräfte aus anderen Regionen aufzuzeigen (Studie 11-2015). Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass hochspezialisierte Regionen nicht per se Vorteile hinsichtlich der Attraktivität für Beschäftigte besitzen, sondern eher Regionen mit mittlerem Spezialisierungsgrad.
  • Gemeinsam mit dem DIW Berlin wurde untersucht, ob und inwiefern die Betrachtung von (wertschöpfungsbezogenen) Nettohandelsströmen zu einer anderen Bewertung nationaler Spezialisierungsmuster im Außenhandel mit forschungsintensiven Waren führt als auf Basis der Bruttoströme (Studie 10-2015). Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Daten zum Wertschöpfungshandel durchaus interessante Zusatzinformationen, z. B. im Hinblick auf regionale und sektorale Wertschöpfungsketten, liefern können. Allerdings lässt die bisher vorliegende sektorale Gliederung (zusammengefasste Industriezweige statt Güter) nur wenig ausdifferenzierte Ergebnisse zu.

Die Studien des NIW

Baethge, Martin, Alexander Cordes, André Donk, Christian Kerst, Johannes Wespel, Markus Wieck, Gert Winkelmann (2015): Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2015, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 1-2015.

Cordes, Alexander und Friederike von Haaren (2015): Betriebliche Weiterbildung in Deutschland – Auswertungen des IAB-Betriebspanels 2003 bis 2012, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 2-2015.

Schasse, Ulrich (2015): Forschung und Entwicklung in Staat und Wirtschaft – Kurzstudie 2015, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 3-2015.

Gehrke, Birgit und Alexander Schiersch (2015): Globale Wertschöpfungsketten und ausgewählte Standardindikatoren zur Wissenswirtschaft, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 10-2015.

Cordes, Alexander (2015): Regional Specialization and Labor Mobility – An Empirical Analysis of German Microdata for 2000-2010, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 11-2015.

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