Aktuelle Studien zum deutschen Innovationssystem erschienen

02.03.2016

Für das Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), welches im Februar an die Bundesregierung übergeben wurde, hat auch das NIW wieder einige innovationspolitisch relevante empirische Studien erarbeitet. Diese wurden teilweise in Eigenregie und teilweise gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten erstellt.

Drei der Studien des NIW beschäftigen sich mit der Entwicklung der Qualifikationsstrukturen der (Erwerbs-)Bevölkerung, der Entwicklung der privaten und öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, sowie der Positionierung und Spezialisierung Deutschlands im Außenhandel mit forschungsintensiven Waren. Außerdem wurden die personalpolitischen Probleme in kleinen und mittleren Unternehmen sowie die Rolle von FuE-Dienstleistern im deutschen Innovationssystem in zwei Zusatzstudien untersucht. Die Studien werden im Folgenden kurz beschrieben.

Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands

In dieser Kurzstudie wurden die Kernindikatoren zur (1) Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen, (2) der Weiterbildungsbeteiligung sowie (3) der Teilnahme an hochschulischer Bildung aktualisiert. Die Studie wurde zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) erstellt, wobei das NIW für die Kernindikatoren zur Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen und der Weiterbildungsbeteiligung verantwortlich zeichnete. Bei der Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen konnten erstmals Auswertungen auf Basis der Neufassung der International Standard Classification of Education (ISCED 2011) vorgenommen werden. Diese methodische Umstellung hatte jedoch auf die relative Position Deutschlands innerhalb Europas keinen Einfluss.

Der Anteil tertiärer Qualifikationen lag in Deutschland 2014 etwas unter dem Durchschnitt der EU-15. Dagegen ist der Anteil mittlerer Qualifikationen in Deutschland nicht nur wesentlich höher als in den europäischen Vergleichsländern, sondern gerade die hochwertigeren Abschlüsse innerhalb der mittleren Qualifikationsstufe sind in Deutschland deutlich stärker ausgeprägt. Die betriebliche Weiterbildungsbeteiligung (d. h. der Anteil der Betriebe, die Maßnahmen zur Weiterbildung ihrer Beschäftigten fördern) liegt trotz zuletzt stagnierendem Verlauf mit 52,1 % deutlich über den Werten, die bis 2010 zu verzeichnen waren. Dies ist vor allem auf die gestiegene Weiterbildungsbeteiligung in nicht-wissensintensiven Sektoren zurückzuführen, während im wissensintensiven Produzierenden Gewerbe bzw. auch im Dienstleistungssektor keine nennenswerten Steigerungen in den letzten Jahren zu verbuchen waren.

Cordes, Alexander und Christian Kerst (2016): Bildung und Qualifikation als Grundlage der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2016 – Kurzstudie, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 1-2016.

Forschung und Entwicklung in Staat und Wirtschaft

Industrielle Forschung und Entwicklung (FuE) sowie FuE an Hochschulen und in wissenschaftlichen Einrichtungen sind Schlüsselfaktoren für technologische Innovationsprozesse: Sie bilden damit maßgebliche Voraussetzungen für Wachstum, Produktivität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften und bedürften deshalb besonders sorgfältiger Beobachtung. Das NIW analysiert schon seit langem in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und dem Deutschen Institut für Wirtschaftforschung (DIW) das FuE-Verhalten von Wirtschaft und Staat und setzt dabei jeweils unterschiedliche Schwerpunkte.

Im Mittelpunkt steht die differenzierte Analyse des FuE-Verhalten der deutschen Wirtschaft im internationalen Vergleich. Als Grundlage dafür dienen eine Vielzahl von Indikatoren zum FuE-Einsatz in Wirtschaft, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, zu den Wechselbeziehungen zwischen Staat und Wirtschaft (z. B. öffentliche Förderung und Finanzierung von FuE) oder auch zu den sektoralen Schwerpunkten von FuE in der Wirtschaft einerseits und den Zielen staatlicher FuE anderseits.

Schasse, Ulrich, Heike Belitz, Andreas Kladroba und Gero Stenke (2016): Forschung und Entwicklung in Staat und Wirtschaft, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 2-2016.

FuE-intensive Industrien und wissensintensive Dienstleistungen im internationalen Vergleich

Vor dem Hintergrund eines eher schwachen weltwirtschaftlichen Wachstums und steigendem Wettbewerbsdruck aus aufstrebenden Schwellenländern müssen hochentwickelte Volkswirtschaften zur Sicherung von Beschäftigung und Wohlstand vor allem auf innovative Produkte und Dienstleistungen setzen. Im Rahmen der vorgelegten Studie wurde zum einen die Stellung und Entwicklung forschungsintensiver Industrien und wissensintensiver Dienstleistungen in Deutschland und wichtigen Wettbewerbern in Bezug auf Wertschöpfung, Beschäftigung und Arbeitsproduktivität untersucht. Zum anderen wurde die Stellung deutscher Anbieter im internationalen Technologiegüterhandel analysiert. Dabei standen vor allem sektorale und regionale Spezialisierungsmuster im Vordergrund.

Gehrke, Birgit und Alexander Schiersch (2016): FuE-intensive Industrien und wissensintensive Dienstleistungen im internationalen Vergleich, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 6-2016.

Stellenbesetzung und personalpolitische Probleme in KMU

Auf Basis des IAB-Betriebspanels wurden Längs- und Querschnittsauswertungen für den Zeitraum 2009 bis 2013 durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass vor allem kleine und mittelgroße Betriebe aufgrund ihres etwas stärkeren Beschäftigungswachstums höhere Anteile von Neueinstellungen aufweisen, insbesondere bei qualifizierten Tätigkeiten. Unter ungedeckter Beschäftigungsnachfrage leidet vor allem der nicht-wissensintensive Dienstleistungssektor. Sektorenübergreifend sind jedoch KMU wesentlich häufiger betroffen als Großbetriebe. Gleiches gilt für jüngere Betriebe, die ebenfalls deutlich höhere Anteile an unbesetzten Stellen für qualifizierte Tätigkeiten aufweisen. Dabei nehmen KMU bereits häufiger Kompromisse bei Neueinstellungen vor, wenn die Bewerberlage nicht den Erwartungen entspricht. Betriebe mit einer höheren Akademikerintensität zeichnen sich durch seltenere Kompromisse aus, weil sie entweder hinreichend attraktiv sind oder Kompromisse aufgrund spezifischerer Anforderungen weniger möglich sind. Bei kleinen Betrieben stellen interne Weiterbildung oder Kompromisse bei der Qualifikation erkennbar seltener eine Lösung für die Stellenbesetzung dar. Desweiteren tragen KMU einen überdurchschnittlich hohen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Berufsausbildungsleistung. Auch sind sie stärker in der Ausbildung engagiert als es das Beschäftigungsgewicht der Mittelqualifizierten erwarten ließe. Gleichzeitig erfahren sie jedoch häufiger zu geringe Bewerberzahlen sowie Absagen von Bewerbern. Dabei werden bereits sehr häufig Kompromisse eingegangen.

Das Hauptproblem von KMU besteht offenbar in einer geringen Flexibilität gegenüber dem Angebot auf dem externen Arbeitsmarkt. Sie sind auf die Verfügbarkeit hinreichend qualifizierter Arbeitskräfte stärker angewiesen, ohne selbst Kapazitäten zur Anpassung an Arbeitsmarktengpässe nutzen zu können. Unter diesen Bedingungen drohen sich die Unterschiede in der Betroffenheit von Betrieben unterschiedlicher Größe weiter zu verschärfen.

Cordes, Alexander (2016): Stellenbesetzung und personalpolitische Probleme in KMU – Analysen des IAB-Betriebspanels, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 7-2016.

Die Rolle von FuE-Dienstleistern im deutschen Innovationssystem

In dieser Studie wurden Indikatoren zu Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) der deutschen Wirtschaft in Bezug auf Nachfrager und Anbieter von FuE-Dienstleistungen untersucht. Auf Grundlage der Daten der FuE-Erhebung der Wissenschaftsstatistik im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft wurde der quantitativen Bedeutung sowie der Struktur und Entwicklung von FuE-Dienstleistern in Deutschland nachgegangen.

Schasse, Ulrich, Daniel Schiller, Mark Leidmann, Verena Eckl, Barbara Grave, Andreas Kladroba und Gero Stenke (2016): Die Rolle von FuE-Dienstleistern im deutschen Innovationssystem, Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 8-2016.

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