Weiterbildung in niedersächsischen Schwerpunktbranchen

Forschungsberichte des NIW, 39

Cordes Alexander und Alexander Skubowius

Hannover, Juni 2011

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Für den Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gewinnt der Einsatz qualifizierten Personals zunehmend an Bedeutung. Durch die Teilnahme an Weiterbildung bzw. die betriebliche Förderung werden Produktivität und Innovationspotenzial der Beschäftigten zusätzlich gesteigert. Insbesondere bei zunehmenden Fachkräfteengpässen kann Weiterbildung zur Steigerung des Humankapitaleinsatzes beitragen. Bei der Entwicklung von Instrumenten/Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Beschäftigung, Aus- und Weiterbildung müssen jedoch die ausgeprägten sektoralen Unterschiede hinsichtlich Qualifikationsstruktur und Weiterbildungsbeteiligung berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund sind für die wirtschaftlichen Schwerpunktbranchen in Niedersachsen insbesondere die Qualifikationsstrukturen sowie das Weiterbildungsverhalten der Erwerbstätigen bzw. der Betriebe analysiert worden.

Die Wirtschaftsstruktur Niedersachsens wird in besonderem Maße von der Mobilitätswirtschaft und der Ernährungswirtschaft (einschließlich Agrartechnik) geprägt. Auch die Gesundheits- und Sozialwirtschaft spielt in Niedersachsen eine besondere Rolle. Diese strukturprägenden Branchen zeichnen sich durch einen hohen Beschäftigten- und Umsatzanteil an der gesamten Wirtschaft Niedersachsens aus. Mit 550.000 Personen ist rund ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesen "Schwerpunktbranchen" tätig. Darüber hinaus sind vor allem die Mobilitätswirtschaft und die Ernährungswirtschaft durch vielfältige Verflechtungen zu Unternehmen vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen gekennzeichnet und in besonderer Weise auf Auslandsmärkte ausgerichtet. Nicht zuletzt spiegelt sich die große strategische Bedeutung der Schwerpunktbranchen in einem überdurchschnittlich hohen Anteil an den privaten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen wider (hier vor allem der Automobilbau als dominierendes Segment der niedersächsischen Mobilitätswirtschaft).

Langfristig wird es entscheidend darauf ankommen, die Innovationsfähigkeit der Unternehmen in diesen Branchen zu stärken und den Einsatz (hoch)qualifizierten Personals dauerhaft zu sichern, um die international gute Wettbewerbsposition der Unternehmen in den exportorientierten Bereichen der niedersächsischen Schwerpunktbranchen zu erhalten.

Allerdings zeigen Auswertungen des Mikrozensus für das Jahr 2008 u. a., dass innerhalb der Schwerpunktbranchen der Einsatz Hochqualifizierter in Niedersachsen geringer ist als im übrigen Bundesgebiet. Auf Grundlage des IAB-Betriebspanels wurde darüber hinaus das betriebliche Weiterbildungsverhalten untersucht. Demnach sind gerade in den industriellen niedersächsischen Schwerpunktbranchen die Weiterbildungsaktivitäten eher unterdurchschnittlich ausgeprägt, wobei teilweise sehr unterschiedliche Formen der Weiterbildung genutzt werden.

In niedersächsischen Betrieben, insbesondere in Kleinbetrieben, aber auch in der Mobilitätswirtschaft werden zudem häufiger Schwierigkeiten bei der Deckung ihres Fachkräftebedarfs erwartet. Gleichzeitig werden überdurchschnittlich häufig die Ansprüche an die fachliche Qualifikation reduziert und seltener durch interne Weiterbildung kompensiert. Auf diesem Weg werden Fachkräfteengpässe nicht behoben, die sich jedoch mittel- bis langfristig wesentlich auf die Wettbewerbsposition der in Niedersachsen besonders strukturprägenden Wirtschaftszweige auswirken könnten.

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